Mein beruflicher Lebensweg

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, Patientinnen und Patienten, meine Damen und Herren!

Mit diesem Bericht nehme ich Sie mit auf meinen persönlichen beruflichen Lebensweg. Damit gebe ich Ihnen einen Einblick in das, was mich zu meinen Lebensschritten bewegt hat, wie diese aussahen und was das mit meiner zukünftigen Tätigkeit zu tun hat.

Aufgewachsen bin ich in den orthopädischen Heil-, Lehr- und Pfleganstalten in Volmarstein, wo mein Vater als ärztlicher Leiter und meine Mutter als Lehrerin tätig waren. Hier habe ich als Kind den Umgang mit Kranken und Behinderten als völlig normal erlebt. Unsere Familie stammt aus Hagen in Westfalen. Mein Großvater väterlicherseits war technischer Stadtinspektor im Bauamt der Stadt Hagen und mütterlicherseits Rechtsanwalt dort. Beide Großmütter stammten aus landwirtschaftlichem Umfeld.

Meine Lieblingsfächer in dem altsprachlichen Gymnasium Hagen waren Mathematik, Physik, Chemie und Biologie. Meine Begeisterung als Kind galt dem Handwerk; ein Handwerkskasten war mein schönstes Geburtstagsgeschenk. Statt Wehrdienst habe ich 10 Jahre Studium – und berufsbegleitend beim Sanitätsdienst des DRK für den Zivilschutz gearbeitet. Nach dem Abitur mit 18 Jahren nach 2 Kurzschuljahren machte ich Berufspraktika im sinter- metallurgischen Labor der Demag in Wetter und ein Pflegepraktikum im Krankenhaus Hagen Haspe. Nach letzterem war mir klar, dass Medizin/Arzt wegen des engen Umganges mit Menschen mein Berufsziel sein musste. Von meinem ursprünglichen Wunsch, Physiker zu werden, bin ich deswegen abgerückt. Das starke Interesse an Handwerk (Chirurgie), Naturwissenschaften, Biomechanik und Materialkunde ist aber geblieben.

Ich hatte das Glück, direkt einen Medizin-Studienplatz in Göttingen zu bekommen. Nach 6 Semestern wechselte ich nach Kiel, wo ich 1976 im „Praktischen Jahr“ schon im Wahlfach Orthopädie und in der Unfallchirurgie tätig wurde. Professor Dr. Blauth war damals mein erster akademischer orthopädischer Lehrer. Er hielt eine phantastische Vorlesung mit Praktikum, das ich gleich zweimal komplett besuchte. Meine Doktorarbeit schrieb ich über die Behandlung der kindlichen Hüfterkrankung Epiphyseolysis capitis femoris.

Nach dem Studium wollte ich eigentlich erst ein halbes Jahr ins englischsprachige Ausland. Daraus wurde nichts nach meiner Bewerbung als Assistent im Bergmannsheil Bochum. Es wurden Ärzte in der Klinik gesucht. Es hieß entweder sofort dort anfangen oder gar nicht. Die Arbeit unter meinem zweiten akademischen Lehrer, Professor J.Rehn, mit 10 Stunden angeordneter täglicher Arbeit, 6 Nachtdiensten im Monat ohne Freizeitausgleich und schon ersten wissenschaftlichen Arbeiten und Studentenunterricht an der jungen medizinischen Fakultät brachten mir schnell viel berufspraktische, klinische, operative und akademische Erfahrungen. Nach 3 Jahren dort arbeitete ich noch fast ein Jahr als Assistenzarzt in der Allgemeinchirurgie in der Paracelsus Klinik Marl.

Im Anschluss zog ich mit meiner Familie, kräftig unterstützt von meiner französischen Frau Patricia, nach Homburg/Saar, um bei dem sehr renommierten Professor H. Mittelmeier Theorie und Praxis der Orthopädie, Orthopädischen Chirurgie und Kinderorthopädie von der Pike auf neu zu erlernen. Die Universitätsklinik des Saarlandes in Homburg hat neben der universitären Maximal- Versorgung auch einen medizinischen Auftrag der Regelversorgung. Hier habe ich das ganze breite Spektrum der Orthopädie mit dem Schwerpunkt der operativen Versorgung gelernt. Parallel habe ich mich in der Grundlagenforschung mit Biomaterialien beschäftigt und ein knochenhistologisches Forschungslabor aufgebaut. 1985 konnte ich mich mit dieser experimentellen Arbeit zu Knochenersatzmaterialien habilitieren. Die Arbeit wurde deutsch und englisch im wissenschaftlichen Springer Verlag publiziert und 1986 mit dem alle zwei Jahre verliehenen Wissenschaftspreis (Heine Preis) ausgezeichnet. In unserer Fachgesellschaft habe ich gleichzeitig einen Arbeitskreis Knochentransplantation gegründet, Richtlinien zum Führen einer Knochenbank entwickelt und die Grundlagen für die heutige Knochenbankpraxis gemäß Gewebegesetz maßgeblich mit entwickelt und später am Klinikum Dortmund fest implementiert. Diesen Arbeitskreis Knochentransplantation und Knochenersatz leite ich bis heute. Die Schwerpunkte meiner wissenschaftlichen Arbeiten und Publikationen wird Gegenstand eines der nächsten Berichte auf dieser Webseite sein.

Ich bekam in demselben Jahr das sogenannte ASG- Reisestipendium unserer Fachgesellschaft. Dies ermöglichte mir nach einem „exchange-fellowship“ in Cincinnati / Ohio /USA 1986 im Jahre 1987 meine angloamerikanischen Berufserfahrungen in Oxford, Edinburgh, San Francisco, Denver, Minneapolis, Chicago, Toronto, Boston, New York und Wilmington durch Hospitation an den dortigen orthopädischen Universitätskliniken zu vertiefen und verbreitern. In Cincinnati habe ich die moderne Knieendoprothetik erlernt und dann in Homburg/Saar und später auch in Dortmund eingeführt.

Nach Erlangung des Facharztes für Orthopädie 1985 und Ernennung zum Oberarzt an der Universitätsklinik Homburg/Saar im selben Jahr habe ich bis 1989 dort weiter geforscht, gelehrt und als Oberarzt meine klinischen und operativen Erfahrungen vertieft.

1989 erhielt ich von Professor H. Stürz, dem frisch gewählten Professor für Orthopädie und Direktor der Gießener Universitätsklinik das Angebot, als Leitender Oberarzt dort seine Chefvertretung zu übernehmen. Diese Chance ließ ich mir nicht entgehen und wechselte im November 1989 an die orthopädische Universitätsklinik in Gießen. Dies war wohl die größte Herausforderung meiner beruflichen Tätigkeit. Ganz auf mich gestellt wechselte ich ohne vorher mit dem neuen Chef gearbeitet zu haben an die neue Arbeitsstelle. Der Umzug mit der fünfköpfigen Familie von einer unbefristeten Dauerstelle in eine zunächst 6-monatige Probezeit bot reichlich Spannung. Dort traf ich auf das etablierte Team des Amtsvorgängers und eine 5-köpfige Crew von Ärzten, die aus Hannover mit dem neuen Chef antraten. Diese menschliche und fachliche Herausforderung in einem völlig neuen Umfeld hat mir weitere fachliche und Führungs- Erfahrungen gebracht.

So konnte ich mit guten Fundamenten gesammelt in 20 „Lehr- und Wanderjahren“ 1992 als frisch gewählter Klinikdirektor zurück in meiner Heimat von dem bekannten Vorgänger Professor D.Tönnis die Leitung der orthopädischen Klinik im Klinikum Dortmund übernehmen. Meine Erfahrungen in den 22 Jahren seitdem und die Geschichte der orthopädischen Klinik in den Städtischen Kliniken Dortmund, wie sie damals hießen, werde ich in meinem nächsten Bericht zusammenfassen. !996 habe ich aus erster Quelle die Berichte meiner Amtsvorgänger zum 75-jährigen Jubiläum der Klinik zusammengetragen, die ich bald auch „ online“ stellen werde. Die 22 Jahre von 1992 bis heute im Oktober 2014 waren voller Herausforderungen durch einen schmerzlichen ökonomischen Anpassungsprozeß, den die Politik allen Krankenhäuser verordnet hat und die neben den ärztlichen Herausforderungen zu meistern waren.

Für meine Kollegen mag es interessant sein, die Wurzeln der eigenen Fachausbildung zu kennen. Früher sprach man noch von „akademischen chirurgischen Schulen“.

Mein eigentlicher akademischer Lehrer war Professor Heinz Mittelmeier. Er hat seine Ausbildung in Berlin von Professor A.N. Witt erhalten, der aus der Schule von Professor Max Lange aus München nach Berlin berufen wurde, übrigens derselben „ Schule“, der auch mein Vorgänger Professor Tönnis und mein Gießener Chef Professor Stürz entstammten. Die Münchener Orthopädie Schule von Max Lange und später in Berlin von A.N.Witt hat die moderne operative Orthopädie geprägt wie keine andere chirurgisch orthopädische Schule nach dem zweiten Weltkrieg. Gestartet noch von schrecklichen kriegschirurgischen Erfahrungen war Deutschland nach dem Terror des Nationalsozialismus anfangs doch sehr abgekoppelt von dem medizinischen Fortschritt außerhalb Deutschlands. Vor dem zweiten Weltkrieg gehörte die Medizin in Deutschland zur internationalen Spitze und an diese galt es möglichst schnell wieder Anschluss zu finden.

In der Medizin gehört es zum beruflichen Ethos, sein Fachwissen Kollegen in Theorie und Praxis offen zu legen, um den medizinischen Fortschritt möglichst weltweit zu ermöglichen. Der internationale wissenschaftliche praktische Austausch mit Kontaktreisen führte mich neben den angloamerikanischen Ländern mit Klinikbesuchen in fast das ganze europäische Ausland (Istanbul, Skandinavien, Frankreich, Spanien, Italien, Belgien und Tschechien, Österreich und die Schweiz) nach China und in Südamerika nach Santiago de Chile. Diese Besuche ermöglichen durch persönliche Anschauung die internationalen Publikationen gerade auf dem eigenen Spezialgebiet der Hüft- und Kniechirurgie und Endoprothetik, der Kinderorthopädie und des Knochenersatzes mit Knochentransplantation zu bewerten und einzuordnen. Die interkollegialen Fachgespräche geben die Zwischentöne zu den Publikationen und helfen bei der Bewertung, wo wirklich der Fortschritt liegt. Dies macht es dann auch möglich, immer an vorderster Front am medizinischen Fortschritt teilzunehmen, aber auch Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen und für meine eigenen Patientinnen und Patienten möglichst zu vermeiden. Inzwischen spricht es sich herum , dass nicht jede Innovation wirklich eine Verbesserung ist. Deswegen gilt es zwischen Fortschritt und Festhalten am Bewährten die richtige Waage zu halten und an meine Patienten zu vermitteln. Gerade das eigene Verständnis durch lebenslange Beschäftigung mit der Biomaterialwissenschaft hilft bei der Bewertung und Auswahl der jeweils bestmöglichen Materialien, wichtig besonders beim Gelenkersatz.

In einer so großen Fachklinik wie ich sie im Klinikum Dortmund, dem leistungsstärksten Krankenhaus der Maximalversorgung in der Region und des Landes NRW, mehr als 22 Jahre leiten durfte, sammeln sich die Erfahrungen bei ca. 10.000 ambulanten und ca. 3000 operativen stationären Patienten jährlich in der Orthopädie – gerade auch bei sogenannten schwierigen Behandlungsfällen und Erkrankungen. Diese Erfahrungen bringe ich täglich in meine Praxis mit.

Bei der Arbeit im Klinikum waren auch immer wieder Schwierigkeiten im Zuge der gesetzlich vorgegeben ökonomischen Rationalisierung des Gesundheitswesens zu überwinden. Der Weg zum Besseren wird trotz aller bleibenden Schwierigkeiten heute sichtbar.

Jetzt liegt ein neuer beruflicher Lebensabschnitt vor mir. 4 Jahre vor der gesetzlichen Altersgrenze übergebe ich auch mit einer gewissen Erleichterung über die Entlastung von dieser enormen Verantwortung die Aufgabe des Klinikdirektors an einen jüngeren Nachfolger. Ich bin davon überzeugt, dass dies für die Fortentwicklung der orthopädischen Klinik im Klinikum Dortmund, für meinen sorgfältig ausgewählten gut vorbereiteten Nachfolger und nicht zuletzt für mich eine gute Entscheidung war. Die Zukunft wird es schnell zeigen, ob ich mit dieser Einschätzung wirklich richtig liege. Damit ergibt sich für mich die Möglichkeit, mich ganz auf die eigentliche ärztliche Aufgabe und den wissenschaftlichen Austausch mit spezialisierten Fachkreisen sowie die eigene Wissenschaft und Lehre zu konzentrieren. Es war der gemeinsame Wunsch auch der Geschäftsführung des Klinikums, dass ich nicht an einem anderen Krankenhaus, sondern weiter als angestellter Fachspezialist im orthopädischen Team des Klinikums Dortmund für die operative Tätigkeit zur Verfügung stehe. Die Zukunft wird zeigen, ob dieser Weg im Zuge einer sich durch die Demographie wandelnden Berufswelt mit drohendem Fachkräftemangel Schule machen kann. Meine operativen Schwerpunkte werden dabei folgende sein:

1. Knieendoprothetik

  • insbesondere individueller Knieoberflächenersatz/Knieendoprothese mit 3 D Druckverfahren. (Conformis) im Rahmen des deutschen Referenzzentrums
  • Schlittenprothesen
  • Standard Knie- Endoprothetik
  • Revisions- Knie- Endoprothetik
  • Knie -Endoprothetik bei komplexen Fehlstellungen.

2. Hüftendoprothetik

  • insbesondere zementfreie Titan-Hüftgelenke wenig (minimal-) invasiv
  • Kurzschaft Endoprothesen
  • Keramikgleitpaarungen
  • Hüftendoprothesen bei Coxarthrose nach kindlichen Hüfterkrankungen (Hüftdysplasie, Epiphysenlösung, M.Perthes)
  • Hüftendoprothesen bei rheumatischen Erkrankungen und Osteoporose
  • Revisionsendoprothetik
  • Defektrekonstruktionen und Knochenaufbau (Knochenbank, Knochentransplantation, Knochenersatz)

Durch die Aufgabe der Klinikdirektion bekomme ich auch mehr Zeit für mich und meine eigene Gesundheit und Fitness! Das geschieht nicht automatisch ganz von selbst, sondern braucht mit zunehmendem Lebensalter mehr Zeit für Erholung und Training. Das ist für meine Familie und mich wichtig, letztlich aber auch für meine Patienten : ein erholter Doktor ist besser als ein zu sehr gestresster. Die jahrzehntelange klinische diagnostische und operative Erfahrung möchte ich möglichst auch über die Altersgrenze hinaus zur Verfügung stellen. Der richtige Zeitpunkt, dies einzuleiten, erscheint mir jetzt für mich gekommen. Ich bitte alle meine Patientinnen und Patienten, Kolleginnen und Kollegen in der Zusammenarbeit mir nach 22 Jahren auch im neuen Umfeld meiner Privatpraxis weiter das Vertrauen zu schenken. Warum muss es eine Privatpraxis sein? Eine gesetzliche Kassenzulassung kann ich in Dortmund nicht mehr bekommen. Die Tarife der ärztlichen Gebührenordnung sind für die Untersuchung und Beratung bescheiden und lassen sich in gewissem Rahmen an die jeweiligen finanziellen Möglichkeiten anpassen. Die gezielte persönliche Beratung kann vor dem geschilderten beruflichen Hintergrund auch für eine neutrale Zweitmeinung eine günstige Investition in die gesundheitliche Zukunft sein!

In diesem Sinne verbleibe ich: bis bald… und schreiben Sie mir für meine zukünftigen Berichte, was Sie besonders auf meinen Spezialgebieten interessiert, damit ich entsprechend die Themen nach Ihren Wünschen bearbeiten kann.

Ihr Professor Dr. Bernd-Dietrich Katthagen

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